Der Weg zur ZHdK (2/2) – Erfahrungen und Erkenntnisse

Dieser Post ist die Fortsetzung zu „Der Weg zur ZHdK (1/2) – Das Portfolio„. Hier werde ich versuchen auf meine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse während des Aufnahmeverfahrens einzugehen. Wie gesagt soll dies keinen Leitfaden darstellen, sondern lediglich meine eigene Sichtweise und meine persönlichen Erfahrungen widergeben.

Das Aufnahmeverfahren lässt sich in viele Schritte gliedern, jedoch denke ich, dass der Erste vermutlich auch der Wichtigste ist: Die Wahl des Studiengangs. Man muss berücksichtigen, dass man anschliessend (im Idealfall) mindestens drei Jahre mit diesem Studium zubringen und tagtäglich sehr viel Zeit darin investieren wird. Zu wissen was einen erwartet und was man selber vom Studium erwarten kann, ist (meiner Ansicht nach) massgeblich für die eigene Motivation und Herangehensweise.  Ich persönlich bin durch Stephanie Stutz auf den Studiengang gestossen und hatte bei Besuchen an und Infoveranstaltungen in der ZHdK, sowie vielen Gesprächen mit Steffi die Möglichkeit viel über den Studiengang zu lernen. Ich fasste also den Entschluss mich bei Scientific Visualization zu bewerben.

SammelilluNach der Anmeldung muss ein Portfolio erstellt werden, in welchem man bis zu fünf verschiedene Projekt präsentiert. Hier stellt sich gleich eine handvoll neuer Fragen. Wie möchte ich mein Portfolio gestalten? Welche Projekte sollen enthalten sein? Wie präsentiere ich die einzelnen Projekte am besten? Ich versuchte mich bei der Auswahl der Projekte am Studiengang zu orientieren und fragte mich worauf  in diesem Studium (in meinem Fall Scientific Visualization) besonders Gewicht gelegt wird. Dementsprechend recherchierte ich einige Zeit lang im Internet und betrachtete Bachelor-Arbeiten von Studenten, welche den Studiengang bereits abgeschlossen hatten, suchte aber auch nach Ideen in Magazinen wie National Geographic oder Science Illustrated.

Alle Projektideen, welche mir während der Recherche kamen, notierte ich auf ein Blatt und machte einige erklärende Skizzen dazu. Nachdem ich erstmal genug Konzepte gesammelt hatte, nahm ich ein paar Tage Abstand von der Arbeit am Portfolio um die Einfälle anschliessend „nüchtern“ zu sehen. Einige davon passte ich an, andere strich ich komplett. Diejenigen, welche übrig geblieben waren, besprach ich mit Kollegen und Lehrern um ihr Feedback dazu einzuholen und mögliche Probleme zu erkennen, welche mir bis dato nicht aufgefallen waren.

Auf diese Weise reduzierte ich die Projektpalette auf sieben Themen. Da ich bei einer der Arbeiten auf eine Drittperson (ein Museum) angewiesen war, wollte ich gerne Ausweichmöglichkeiten haben, falls das Projekt aus irgendwelchen Gründen doch nicht zustande kommen sollte (was dann auch tatsächlich passierte). Ich überlegte mir also den groben Aufbau der einzelnen Themen und machte mir Gedanken dazu was ich allen einbringen wollte. Dazu erstellte ich enige Skizzen in denen ich einerseits mit verschiedenen Kompositionen herumexperimentierte, andererseits aber auch versuchte die Formen und Bewegungen der Objekte (wie etwa im Axolotl-Projekt) besser zu begreifen.

Mit diesen Skizzen und einer guten Vorstellung davon wie die Projekte schlussendlich aussehen sollen, vereinbarte ich ein Mappengespräch an der ZHdK. Dieses war enorm hilfreich und ich hatte die Möglichkeit das Feedback einer der Studiengangs-Assistentinnen einzuholen und bekam diverse Vorschläge und Inputs zu den Arbeiten, an denen ich arbeitete. Einerseits war dies überaus förderlich was das weitere Vorgehen betraf, andererseits aber auch sehr motivierend. Ebenfalls hilfreich, waren die Ratschläge von Steffi, welche ich allerdings in einem der Skizzenbücher, welche ich als Projekt abgegeben habe, niedergeschrieben habe und deshalb hier nicht zur Gänze zitieren kann. Allerdings werde ich diese nachführen, sobald das Portfolio abholbereit ist.

Seite 1Bei der Hausaufgabe war das Vorgehen sehr ähnlich. Ideensammlung – Ausarbeitung – Reduktion – Auswahl – Konzeption – Recherche – Ausführung. Jedoch achtete ich in beiden Fällen darauf, dass der Inhalt (aufgrund des gewählten Studiengangs) in einem wissenschaftlichen Kontext stand. Aus dem Mappengespräch ging zudem hervor, dass nicht unbedingt alle Projekte so streng an den Studiengang angelehnt sein müssen und einige davon auch aus anderen Gründen spannend sein können. Es ist hilfreich wenn man sieht, dass der Bewerber ein breites Spektrum an Skills mitbringt.

Es gibt verschiedenen Faktoren, die bei der Portfolioerstellung mitspielen. Einer der wichtigsten dürfte jedoch vermutlich „Zeit“ sein. Ich persönlich hatte relativ spät mit den eigentlichen Arbeiten am Portfolio begonnen, weshalb ich auch nach der Veröffentlichung des Hausaufgabenthemas noch an den Projekten arbeiten musste. Dies war enorm stressig und irgendwie auch ärgerlich, da man sich (während der verhältnismässig kurzen Zeit)  gerne auf ein Thema konzentieren würde, jedoch drei bis vier weitere bearbeiten muss. Allerdings denke ich, dass dies auch daran gelegen hat, dass ich die Illustrationen und Konzepte zu den Projekten nicht klar genug formuliert und durchdacht hatte. Es war ein wenig so als würde man ein Haus bauen, hätte aber den Bauplan erst halbfertig gezeichnet, weshalb man fortlaufend zum Zeichenbrett zurück muss um fehlende Stellen zu ergänzen.

axolotl regWas mir während dieser stressigen Zeit Rückenwind gab, waren einerseits meine Dozenten und Kollegen, andererseits aber auch meine Schulkameraden, welche ebenfalls an ihren Portfolios herumwerkelten. Andere Projekte, Konzepte und Designs zu sehen, aber auch Fragen zu den eigenen Projekten gestellt zu kriegen, bietet einem die Möglichkeit sich selbst intensiver mit dem eigenen Thema auseinander zu setzen und Sichtweisen anzunehmen, welche man vorher nicht bedacht hatte. Jedoch denke ich, dass zu viele Köche den Brei verderben. 100 Meinungen führen nicht zwangsläufig zu 100 Verbesserungen. Man kann unmöglich jedes Feedback berücksichtigen und es allen schmackhaft machen. Zwangsläufig wird man irgendwann bestimmte Kompromisse eingehen bzw. Entscheidungen treffen und damit leben müssen. Ich versuchte meine Arbeiten so oft wie möglich komplett zu beenden bevor ich mich einer neuen Illustration zuwendete. Auf diese Weise konnte ich mich voll und ganz der aktuellen Aufgabe widmen, ohne im Hinterkopf darüber nachdenken zu müssen ob ich den Hintergrund beim anderen Bild nun Orange oder doch lieber Hellblau machen soll.

Im zweiten Teil des Aufnahmeverfahrens, wurden 22 Bewerber zu der Eignungsprüfung / zum Eignungsgespräch eingeladen. Mein Direktor gab mir hierbei einen tollen Rat oder vielmehr eine Überlegung, die man vorher anstellen sollte. Die Prüfung dauert von 9:00 bis 17:00 Uhr. Es ist wichtig, dass man in dieser Zeitspanne auch effektiv produktiv sein kann. Wenn man vor 11:00 Uhr nicht zu gebrauchen ist, wird man es schwer haben um 9:00 Uhr komplexe Inhalte illustratorisch verständlich und ansprechend umzusetzen. Zudem ist die Prüfung mit ihren rund 8 Stunden nicht gerade kurz, weshalb ein gewisses Mass an Ausdauer nötig ist. Ich bereitete mich darauf vor indem ich regelmässig im Museum, wie auch im Zoo, während einiger Stunden skizzieren ging.

Die Prüfung selbst machte grossen Spass. Es war grossartig andere zu sehen, welche ebenfalls begeistert an ihren Konzepten arbeiteten und tüftelten. Allerdings denke ich auch hier wieder, dass es entscheidend ist, dass man einen Studiengang gewählt hat, der einen wirklich interessiert. Die Aufgaben waren allesamt fordernd, aber auch sehr spannend. Steffi erklärte mir vor der Prüfung auch, dass es nicht weiter schlimm wäre, wenn eine Aufgabe nicht fixfertig wird. Grundsätzlich geht es darum zu bestimmen wie man unter einheitlichen Bedingungen in einer bestimmten Zeit arbeitet. Das Fertigstellen der Aufgaben ist also nicht so essentiell wie die Veranschaulichung der eigenen Herangehensweise und Technik (ich glaube dies wurde zu Anfang der Prüfung von den Experten ebenfalls erwähnt). Dieser Gedanke entspannte mich während der Prüfung und erlaubte es mir lockerer an die Aufgaben heranzugehen.

Zuletzt war da noch das Gespräch. Im Vorfeld hatte ich regelrechte Panik (sogar Albträume) davor. Was, wenn sie mir eine Frage stellen, die ich nicht beantworten kann? Was, wenn ich nur Mumpitz herausbringe? Das Gespräch verlief allerdings sehr viel angenehmer als befürchtet. Die Experten waren wirklich freundlich und das Gespräch sehr locker. Im Grunde genommen, so hatte ich zumindest den Eindruck, geht es darum den Bewerber kennenzulernen und dem Portfolio ein Gesicht zuordnen zu können – kein Kreuzverhör. Klar wird man auch ein wenig über die Projekte reden müssen, jedoch geht es eher darum den eigenen Arbeitsprozess und die Gedanken hinter dem Thema in Worte fassen zu können, als darum ein Projekt „verkaufen“ zu müssen

Nachdem ich nun weit mehr geschrieben habe, als ich es ursprünglich vor gehabt hatte, ziehe ich hier einen Schlussstrich. Vieles vom Erzählten sind nur eigene Eindrücke und jeder, der sich für ein Studium interessiert, sollte unbedingt mit der entsprechenden Hochschule in Kontakt treten. Da ich bloss den Eignungstest bestanden und noch kein Student im dem Sinne bin, kann ich beim besten Willen nicht versichern, dass meine Herangehensweise besonders „effizient“ oder „korrekt“ war. Es ging und geht mir dabei bloss darum Anderen meine eigenen Erfahrungen zur Verfügung zu stellen, damit sie vielleicht bei ihrer eigenen Portfolioerstellungen auf Vergleichswerte oder allenfalls neue Denkanstösse zurückgreifen können.

Ich hoffe, dass dieser Artikel, wenn schon nicht hilfreich, zumindest unterhaltsam war. Falls erwünscht, werde ich gerne Bereiche ausführen, welche ich möglicherweise vernachlässigt und ungenau umschrieben habe.

3 Gedanken zu “Der Weg zur ZHdK (2/2) – Erfahrungen und Erkenntnisse

  1. Wirklich toll! Kann man dich auch wie Steffi zu dem Studium befragen? Ich interessiere mich auch sehr für diesen Studiengang und wäre froh, Tipps von dir zu bekommen!

    • Selbstverständlich. Lass es mich wissen, falls ich irgendwie helfen kann. Schreib mich einfach unter stjepan.lukac@gmx.ch an und wir gucken dann weiter. Steffi ist in solchen Sachen das Non plus Ultra, aber ich hoffe zumindest einen Teil ihrer Lehren weitergeben zu können🙂

  2. Hallo Stjepan! Vielen herzlichen Dank für diese zwei Posts, ich fand sie sehr hilfreich, auch wenn ich Fotografie studieren möchte. Deine Begabung ist sehr beeindruckend🙂

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